Deutsche Mastersmeisterschaften im Schwimmen in Gera – Gold, Bronze und der Blick nach vorn
- Dirk Püschmann
- 7. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Aug.

Manchmal gibt es Wettkampfwochenenden, an denen einfach alles dabei ist. Freude, Anspannung, Überraschungen, Fehler und ganz besondere Momente. Genau so habe ich die Deutschen Mastersmeisterschaften im Schwimmen in Gera erlebt. In diesem Jahr war die Vorbereitung anders als sonst. Der Fokus lag auf zwei großen Saisonhöhepunkten: den Deutschen Mastersmeisterschaften und der Triathlon-Europameisterschaft am 11. September in Almere-Amsterdam. Beides unter einen Hut zu bekommen, ist alles andere als einfach.
Vorbereitung: Der Spagat zwischen Schwimmen und Triathlon
Bis drei Wochen vor den Deutschen Meisterschaften stand das Triathlontraining im Mittelpunkt. Viele Trainingsstunden auf dem Rad und beim Laufen, meist mit hohen Umfängen und eher ruhigem Tempo. Im Wasser war das Training dagegen ein Mix aus zwei Welten. Einerseits längere Kraulserien für die Langdistanz im Triathlon, andererseits spezifische Einheiten für meine Rückendisziplinen in Gera. Drei Wochen vor dem Wettkampf reduzierte ich die Umfänge beim Radfahren und Laufen deutlich. Von da an lag der Schwerpunkt wieder auf wettkampfspezifischem Schwimmtraining, vor allem über die Rückenstrecken.
Die vorletzte Woche verbrachte ich gemeinsam mit meinem Sohn Luis in Riva del Garda. Das Sporthotel verfügte über ein 25-Meter-Wettkampfbecken und bot ideale Bedingungen, um meine Form noch einmal zu überprüfen. Das Ergebnis war allerdings nicht eindeutig. Manche Einheiten fühlten sich richtig gut an, andere eher durchschnittlich. Ich wusste ehrlich gesagt nicht so richtig, wo ich stand.
Die letzte Vorbereitungswoche absolvierte ich komplett beim öffentlichen Schwimmen im Hains in Freital bzw. dem Schwimmsportkomplex in Dresden.. Jeden Tag Wassertraining, viele kurze Sprints und zwei Tage vor dem Wettkampf noch ein letzter 50-Meter-Rückentest. Der war ordentlich, gab mir aber trotzdem keine wirkliche Sicherheit. Dann war es endlich soweit.
Freitag: Mein erster Deutscher Meistertitel
Am Freitag fuhr ich gemeinsam mit meiner Frau Ulli nach Gera. Bei meiner Paradedisziplin, den 100 Meter Rücken, hat mich das Meldeergebnis überrascht. Ich war auf Bahn 4 als Nr. 1 gesetzt und damit mitten im Rennen um die Medaillen. Kurz vor dem Start dann der erste Schreck: Meine Badekappe riss. Eine Ersatzkappe hatte ich auf der Startbrücke natürlich nicht dabei. Also blieb nur eine Möglichkeit – ohne Kappe schwimmen. Eigentlich kein großes Problem, denn im Training schwimme ich fast immer ohne Badekappe. Also kurz gelächelt und den Fokus wieder auf das Rennen gelegt.
Der Start gelang ordentlich. Mein Nebenmann auf Bahn 5 legte sofort ein hohes Tempo vor. Ich blieb ruhig, schwamm lange und kontrollierte Züge und wollte auf keinen Fall zu schnell angehen. Nach 50 Metern lag ich tatsächlich bereits 1,2 Sekunden zurück, ohne das im Wasser zu merken. Auch nach 75 Metern hatte ich noch ungefähr eine Körperlänge Rückstand und war fest davon überzeugt, als Zweiter anzuschlagen. Auf den letzten 25 Metern fühlte ich mich allerdings erstaunlich gut. Ich konnte das Tempo noch einmal erhöhen, ohne hektisch zu werden.
Dann kam der Anschlag. Ich schaute zur Anzeigetafel. Platz 1 – Dirk Püschmann – 1:10,72 Minuten. Ich konnte es kaum glauben. Von der Überholung des Führenden auf den letzten Metern hatte ich im Rennen überhaupt nichts mitbekommen. Die Zeit machte mich zusätzlich stolz. Nur 0,12 Sekunden langsamer als im vergangenen Jahr bei meinem Silberrennen in Dresden.
Direkt nach mir startete Jan aus meiner Trainingsgruppe und holte ebenfalls den Deutschen Meistertitel über 100 Meter Rücken in der AK 50-54. Unser gemeinsames Training hatte sich für uns beide ausgezahlt. Was für ein Moment. Überglücklich fiel ich zuerst Jan und anschließend meiner Ulli in die Arme. Mein erster Deutscher Meistertitel – ein Moment, den ich nie vergessen werde.
Die Siegerehrung genoss ich anschließend in vollen Zügen. Danach gönnten wir uns eine echte Thüringer Bratwurst und ein Bier mit Alkohol. Ja, Erfolge dürfen auch gefeiert werden. Anschließend fuhren wir zurück nach Dresden und ließen den Abend ganz entspannt bei einem Abendessen in der Dresdner Neustadt ausklingen.
Sonntag: Bronze mit gemischten Gefühlen
Am Samstag stand zunächst nur eine lockere Trainingseinheit im Hains auf dem Programm. Der Blick ging aber bereits auf Sonntag und die 50 Meter Rücken.
Am frühen Morgen fuhren wir wieder nach Gera. Der Start war für 9:40 Uhr angesetzt. Ich war als Nummer drei gesetzt und vielleicht genau deshalb etwas zu motiviert.
Ich schwamm das Rennen mit einer viel zu hohen Frequenz. Dadurch wurden die Züge immer kürzer und bereits nach etwa 40 Metern war ich völlig im roten Bereich. Mit letzter Kraft erreichte ich das Ziel in 33,26 Sekunden. Es war tatsächlich mein langsamstes 50-Meter-Rennen der letzten Jahre. Trotzdem reichte es relativ sicher zur Bronzemedaille.
Natürlich freute ich mich über Platz drei. Mit meiner Renneinteilung war ich allerdings überhaupt nicht zufrieden. Gerade als Trainer sollte mir so etwas eigentlich nicht passieren. Meinen Sportlern sage ich immer wieder: Bleibt lang, auch wenn die Frequenz steigt. Genau dadurch entsteht Geschwindigkeit und nicht durch hektisches Durchwühlen.
Zu Hause analysierte ich das Rennen noch einmal auf Video. Das Ergebnis sprach Bände. Meine Frequenz war um 10 Züge/min höher und ich war trotzdem 0,8 Sekunden langsamer als bei meinem Silberrennen im vergangenen Jahr. Kein Wunder also, dass am Ende die Geschwindigkeit fehlte.
Zwei Medaillen und der Blick nach Amsterdam
Trotzdem fällt mein Fazit durchweg positiv aus. Zwei Rennen, zwei Medaillen, ein Deutscher Meistertitel und eine Bronzemedaille – damit bin ich mehr als zufrieden.
Direkt nach den Deutschen Meisterschaften ging es für uns in einen kurzen Urlaub nach Österreich. Dort begann wieder die Vorbereitung auf meinen zweiten Saisonhöhepunkt, die Triathlon-Europameisterschaft in Almere-Amsterdam.
Nach dem Rennen ist vor dem Rennen.
Heute sind es noch fünf Wochen bis zum Start in Amsterdam. Aktuell trainiere ich am Gardasee und genieße die perfekten Bedingungen. Der Schwerpunkt liegt auf Schwimmeinheiten im Gardasee und Lauftraining entlang der Promenade. Genau hier möchte ich mir den letzten Feinschliff für die Europameisterschaft holen.
Ich freue mich auf die kommenden Wochen und bin gespannt, was in Amsterdam möglich sein wird.
Sportliche Grüße
Euer Dirk „Pushman“ Püschmann



